Konto & Karte

Negativzinsen: Über 100 neue Banken in den ersten 100 Tagen des Jahres

Zusammenfassung
  • Immer mehr Banken verlangen mittlerweile Geld für ein hohes Guthaben auf dem Girokonto – oder berechnen versteckte Gebühren.

Der Trend zu Negativzinsen hat sich im Jahr 2021 noch einmal beschleunigt. Aktuell weisen bereits 300 Banken Negativzinsen für Privatkunden aus – das sind 122 Banken mehr als noch zum Jahreswechsel vor 100 Tagen (Stand der Daten: 9. April). Zu diesem Ergebnis kommt eine fortlaufende Auswertung des Vergleichsportals Verivox, die rund 1300 Banken umfasst.

„Die Dynamik bei den Negativzinsen hat sich in diesem Jahr noch einmal deutlich verschärft“, sagt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH zu diesem Thema. „Seit dem Jahreswechsel haben schon über 100 Institute ein Verwahrentgelt für Privatkunden eingeführt. Aktuell kommen nahezu täglich weitere Banken hinzu.“

Für die Auswertung beobachtet Verivox tagesaktuell die online ausgewiesenen Konditionen für private Tagesgeld-, Giro– und Verrechnungskonten auf den Internetseiten von rund 1300 Banken und Sparkassen. Davon verlangen aktuell 300 Institute von ihren Kunden ein sogenanntes Verwahrentgelt. Ende 2020 waren es erst 178. Nicht alle Banken veröffentlichen ihre Zinsen allerdings frei zugänglich auf ihrer Website. Es gibt also eine gewisse Dunkelziffer. Tatsächlich dürften somit also noch mehr Banken ihren Privatkunden Negativzinsen in Rechnung stellen.

Corona verschärft die Lage für Verbraucher

Die Situation in der Corona-Pandemie hat den ohnehing schon bestehenden Trend zu Negativzinsen noch einmal beschleunigt, wie Oliver Maier erklärt. „In der Pandemie legen viele Verbraucher ihr Geld lieber aufs Konto, statt es auszugeben. Für Banken ist das ein Problem, denn sie zahlen selbst Strafzinsen auf überschüssige Einlagen. Je mehr Spargelder sie annehmen müssen, desto größer wird der Druck auf die Kreditinstitute, diese Kosten an ihre Kunden weiterzugeben.“

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Lange Zeit wurden vor allem sehr hohe Sparsummen ab 100.000 Euro und mehr mit Negativzinsen belastet. Inzwischen sind aber auch deutlich niedrigere Freibeträge keine Seltenheit mehr. Mindestens 95 Banken berechnen Negativzinsen schon ab einem Gesamtguthaben von 50.000 Euro oder weniger.

Gebühren statt echte Negativzinsen

Nicht immer werden negative Zinsen auch tatsächlich als solche ausgewiesen. Im laufenden Jahr haben bislang zum Beispiel vier Instiute eine Kontoführungsgebühr für das normalerweise kostenfreie Tagesgeldkonto eingeführt. Aus Sicht der Sparer entstehen dadurch in der Praxis Negativzinsen. Das Geld auf dem Konto wird schließlich nach und nach weniger, auch wenn die Bank nominal 0,00 oder 0,01 Prozent Zinsen ausweist. Insgesamt verlangen aktuell 18 Banken eine solche Gebühr, vier davon berechnen zusätzlich auch nominal einen negativen Zinssatz. 

Für Verbraucher ist es dabei wichtig zu wissen: In laufenden Verträgen können Banken negative Zinsen nicht einseitig einführen. Mit der Veröffentlichung im Preisaushang gelten die Verwahrentgelte deshalb zunächst nur für Neukunden. Will eine Bank auch ihren Bestandskunden Negativzinsen berechnen, muss sie das mit den Betroffenen individuell vereinbaren.

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In diesem Fall sollten Bankkunden von der Möglichkeit Gebrauch machen, den Anbieter zu wechseln. Es gibt schließlich noch immer eine ganze Reihe von Alternativen auf dem Markt. Auf dieser Seite haben wir daher einen umfangreichen Vergleich von Girokonten zusammengestellt.


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