Aktien & Anleihen

Neo-Broker – leichter Aktienhandel oder gefährliches Spiel?

Zusammenfassung
  • Immer mehr Neo-Broker ermöglichen den günstigen Handel mit Aktien per Smartphone – Anleger sollten Chancen und Risiken genau kennen.

Die sogenannten Neo-Broker haben in den vergangenen Monaten für viele Schlagzeilen gesorgt. Vor allem seit dem Beginn der Corona-Pandemie gibt es einen echten Boom beim Handel mit Aktien und anderen Wertpapieren. Bei einem Neo-Broker ist das für geringe oder sogar ganz ohne Gebühren möglich – oft sogar ganz leicht per App auf dem Smartphone. Allerdings gibt es nicht nur positive Meinungen zu diesem Trend.

Einige Klicks reichen in der Regel aus, um Aktionär zu werden oder um sich Anteile an einem ETF zu sichern. In Deutschland gibt es bereits jetzt einige Neo-Broker, die ihren Nutzern dieses Geschäftsmodell bieten. Dazu zählen unter anderem CapTrader, Trade Republic oder Smartbroker. Schon ab einem Euro – und manchmal sogar komplett kostenlos – ist es über diese Plattformen möglich, mit Wertpapieren zu handeln. Bisher waren selbst bei Onlinebrokern Kosten von zehn Euro oder mehr pro Transaktion ganz normal. Bei klassischen Banken liegen die Gebühren für den Aktienhandel sogar noch deutlich höher.

Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur von Finanztip, hält die Veränderung der Brokerlandschaft grundsätzlich für positiv. In einem Interview mit dem Deutschlandfunk betonte er: „Das Wichtige ist erstmal, dass die Leute überhaupt Geld in Wertpapiere anlegen. Da ist diese neue Entwicklung natürlich prima, weil die Kosten, die man hat, um so ein Wertpapierdepot zu unterhalten und zu füllen, deutlich niedriger geworden sind.“

Leichter Einstieg in den Handel

Es spielt gar keine Rolle, für welchen Neo-Broker man sich letzten Endes entscheidet. In jedem Fall sorgt die Kostenstruktur dafür, dass der Einstieg in den Handel mit Wertpapieren ganz leicht ist. Schließlich lohnt sich dank der geringen Gebühren selbst der Kauf von wenigen Aktien. Darüber hinaus wird mit Hilfe von intuitiven Apps für das Smartphone oder auf einfach strukturierten Internetseiten der Zugang zum Kapitalmarkt noch weiter erleichtert.

Im Gegensatz zu anderen Banken zeichnen sich Neo-Broker dadurch aus, dass sie einzig und allein auf den Handel mit Aktien und anderen Wertpapieren setzen. Für viele Sparer ist das bei der Geldanlage absolut ausreichend. Das gilt besonders dann, wenn man sich in erster Linie für börsengehandelte Indexfonds, die sogenannten ETFs, interessiert. Anteile daran kann man sowohl einmalig als auch über einen Sparplan erwerben und auf diese Weise etwa für das Alter oder die eigenen Kinder vorsorgen.

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Allerdings sollten Kunden bei einem Neo-Broker auch auf die Details achten. Einige dieser Anbieter berechnen nämlich Gebühren, die nicht auf den ersten Blick ersichtlich sind, zum Beispiel für die Depotführung oder für ein zu hohes Guthaben auf dem Verrechnungskonto. Deshalb ist der genaue Blick in das Preis-Leistungsverzeichnis des entsprechenden Anbieters wichtig. Zudem sollte man nach der Anmeldung gut auf eventuell steigende Gebühren achten.

Damit alle Wertpapiere zu fairen Kursen gehandelt werden, sind darüber hinaus die Handelszeiten der Referenzbörse wichtig. Außerhalb der Zeiten für den Handel kann es nämlich sein, dass etwa die Kurse für den Kauf von Aktien stärker abweichen. Im schlimmsten Fall müssen Anleger in solchen Fällen also hohe Aufpreise zahlen, die sich eigentlich leicht vermeiden lassen.

Tenhagen ist allerdings der Meinung, dass die Gefahr bei der Nutzung vor allem darin liegt, dass Anleger oft sozusagen im Affekt kaufen und verkaufen. „Da kann man tatsächlich die Geschäfte mit dem Handy machen. Das ist völlig in Ordnung. Was man aber gar nicht braucht ist, dass man ständig hin und her handelt.“

Langfristig halten – auch beim Neo-Broker

Durch die niedrigen Gebühren ist der ständige Kauf und Verkauf von Aktien im Prinzip nicht problematisch. Trotzdem empfehlen die meisten Experten bei der Geldanlage, dass man Wertpapiere in der Regel langfristig halten sollte.

Abgesehen von Aktien und ETFs bieten einige Neo-Broker sogar Derivate an. Damit lassen sich praktisch Wetten auf die kurz- oder mittelfristige Entwicklung der Kurse abschließen. Für den langfristigen Aufbau des eigenen Vermögens sind Optionen und ähnliche Produkte jedoch komplett ungeeignet. Damit lassen sich zwar sehr hohe Gewinne erzielen, zugleich ist jedoch auch das Risiko enorm. Diesen Aspekt blenden vielen private Anleger jedoch aus. Das gilt vor allem dann, wenn man mit einer kleinen Anlage innerhalb von wenigen Tagen sein Geld verdoppelt oder verdreifacht hat.

Umgekehrt ist es nämlich auch gut möglich, dass das eingesetzte Kapital komplett verloren geht. Dieses Problem sollte man jedoch keinem Anbieter vorwerfen. Davon abgesehen bieten Neo-Broker mit Sitz innerhalb der EU nämlich ein hohes Maß an Sicherheit. Alle Einlagen auf dem Verrechnungskonto sind hier – genau wie bei einer Direktbank – bis zu einem Wert von 100.000 Euro abgesichert. Aktien oder Fondsanteile im eigenen Depot sind zudem ein Sondervermögen. Selbst bei einer Insolvenz des jeweiligen Brokers ist das eigene Vermögen also in jedem Fall sicher.

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